Coming-out

Coming-out bei besten Freund*innen, in der Schule, Uni oder in der Arbeit

DBNA Team Von DBNA Team
Coming-out bei besten Freund*innen, in der Schule, Uni oder in der Arbeit

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Natürlich hast du auch das Bedürfnis, deine Freund*innen aufzuklären wie du fühlst. Auch hier gilt es, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Beim Coming-out merkst du dann, was wahre Freunde sind. Gute Freunde halten auch nach deinem Coming-out zu dir.

Alle, die mit dir nichts mehr zu tun haben wollen, waren deine Freundschaft nicht wert! Sicher wirst du auch hier verschiedene Reaktionen sammeln. Freund*innen in deinem Alter sind eher ein bisschen toleranter als ältere Leute. Man kann es aber nicht verallgemeinern. Es hängt von jedem Menschen selber ab, wie er reagiert.

"Ich erzähle Leuten nur dann, dass ich schwul bin, wenn ich sie schon einige Zeit kenne und wenn sie offen und tolerant sind. Ich finde es wichtig, dass sie diesen wichtigen Teil von mir kennen."
Markus, 18

Tipps, die dir helfen können, wenn du dich bei deinem (besten) Kumpel outen willst.

  • Oute dich deinem Kumpel nie während eines Streits oder um ihn zu verletzen. Das verschlimmert die Sache nur.
  • Traue es deinem Freund allein an, nicht gleich deiner ganzen Clique: Oute dich zu einem guten Zeitpunkt, in der du mit ihm alleine bist und unter 4 Augen darüber reden kannst. Warte am besten einen günstigen Zeitpunkt ab.
  • Leute, die sich mit dieser ganzen Thematik nicht auskennen, können Dingen zu dir sagen, die für dich sehr verletzlich sein können. Bedenke dass sie wahrscheinlich absolut ahnungslos waren und total überrascht sind.
  • Versuche immer sachlich zu bleiben.
  • Bring zu deinem Coming-out nicht deinen Lover mit. Dies wären zu viele Überraschung auf einmal für deinen Kumpel.
  • Lass deinem Freund Zeit zum Nachdenken, bevor du versuchst, mit ihm zu diskutieren.
  • Mach dich auf mehr oder weniger unangenehme Fragen gefasst.
  • Um deinem Kumpel zu zeigen, dass es dich wirklich belastet, seufze ab und an. ;-)
  • Jede Coming-out Erfahrung unterscheidet sich. Lief es bei einem mal gut, heißt das leider nicht, dass es das andere mal auch so gut klappt, oder umgekehrt.
  • Viele Leute brauchen sehr viel Zeit, um ein Coming-Out zu verarbeiten. Die einen brauchen nur Minuten, die andere Tage, leider brauchen auch viele einige Jahre dazu.
  • Mach dir immer einen Notfall-Plan. Du brauchst ihn zwar nicht, dann bist du aber auf evtl. schlimme Reaktionen gerüstet.
  • Schau, dass du dir auch Hilfe suchst (Jugendgruppe, Beratungshotline, DBNA...), denn auch du könntest sie brauchen.
  • Wenn du dich schon bei anderen Kumpels geoutet hast, biete ihm dann an, dass er diese anrufen kann, wenn er darüber reden will. Denn wenn dein Kumpel weiß, dass es noch andere gibt, die von deinem "Geheimnis" wissen, fällt es ihm leichter, die Sache zu verarbeiten.
  • Oder, erlaube es ihm, seiner Freundin davon zu erzählen.
  • Beteuere deinem Kumpel, dass er "keine Angst" vor dir haben muss. Zum Beispiel, dass du nichts von ihm willst (Auch wenn das nicht der Fall ist .. ;-))
  • Mach ihm klar, dass er keine Sorge haben muss, dass andere ihn auch für schwul halten, nur weil es dein Kumpel ist.

Alle diese Tipps sind leider kein Patentrezept, sondern nur eine kleine Hilfe.

"Ich sage Leuten dass ich schwul bin, wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass sie auch danach noch zu mir stehen werden und dass sie mich akzeptieren werden als der, der ich bin. Wenn ich zum Beispiel das Gefühl habe, dass sie versuchen werden, mich umzudrehen', dann lass ich's lieber. Ich glaube, ich stelle die Leute einfach ein bisschen auf die Probe und dann entscheide ich, ob ich's riskiere, es ihnen zu sagen."
Sascha, 17

Denk daran, dass das dein Leben ist, das du lebst. Ganz egal wie dein Kumpel reagiert hat. Lass dich nicht einschüchtern. Reagiert er absolut negativ und will nichts mehr mit dir zu tun haben, lass ihn. Er hat es nicht verdient, dein Kumpel zu sein! Auch wenn dies im ersten Moment schmerzhaft für dich ist.

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Wie du dein Queersein in der Schule klarmachst

Fast alle schwulen Schüler kennen diese Gespräche auf dem Schulhof, bei denen es darum geht, wer am Wochenende mit wem rumgemacht und wer nun mit welchem Mädel zusammen ist. Vielleicht möchtest auch du mitreden, erzählen, dass du dich Hals über Kopf verliebt hast oder dass du den süßesten Jungen der Welt geküsst hast?

Doch dabei drängt sich immer auch die Frage auf, wie denn die anderen darauf reagieren würden. Haben sie Verständnis dafür? Werden sie danach noch mit mir reden? Habe ich nachher noch Freund*innen? Fast alle schwulen Jungs haben sich mit diesen Fragen schon einmal auseinandergesetzt.

Kein Patentrezept

Ein Patentrezept, wie du mit deinen Ängsten vor den Reaktionen deiner Mitschüler*innen umgehen kannst, gibt es nicht. Du kannst aber versuchen herauszufinden, wie dein Umfeld über Homosexualität denkt. Dein Umfeld und können dir dabei helfen herauszufinden, wie deine Mitschüler*innen das Thema Schwulsein sehen.

Mit dem/der Lehrer*in sprechen

Sprich zum Beispiel mit einem/einer Lehrer*in zu dem du Vertrauen hast über das Thema Homosexualität. Du kannst in der Regel erwarten, dass er/sie für sich behält, was du ihm/ihr erzählst - und vielleicht findest du in ihm/ihr auch einen/eine Verbündeten.

Bitte ihn doch einfach, das Thema Homosexualität im Unterricht einzubauen und einmal darüber diskutieren zu lassen. So hast du die Möglichkeit, die Reaktionen deiner Mitschüler*innen zu sehen, ohne dass du dich gleich ins Kreuzfeuer begeben musst.

Schau dir dazu das Video von Jungsfragen an "Outing - Schwul in der Schule":

Deine Mitschüler*innen

Leute die schon wissen, dass du queer bist, können dir bei Unsicherheiten und Ängsten beistehen und dir Kraft geben. Und versuche herauszufinden, wie deine Mitschüler*innen das Thema Schwulsein sehen.

Überlege dir, wem du es denn überhaupt sagen willst und bei wem es dir wichtig ist, dass er oder sie Bescheid weiß. Eventuell kommst du zum Schluss, dass sich weitere solche persönlichen Coming-outs erübrigen und die anderen es irgendwann per Zufall oder auch gar nie erfahren sollen. Wahrscheinlich wird jemand, mit dem du sonst sowieso keinen Kontakt hast, sehr überrascht sein, dass du ihm nun ausgerechnet anvertrauen willst, dass du schwul bist.

Schlechte Reaktionen

Wir können dich leider auch nicht davor bewahren, dass du vielleicht schlechte Reaktionen auf dein Coming-Out erntest. Wenn du dir einen Freundeskreis geschaffen hast, der über dich Bescheid weiß und der dir den Rücken stärkt, kannst du damit sicher besser umgehen. Belasten dich die Reaktion deiner Mitschüler*innen jedoch, dann suche dir Hilfe bei einer Beratungsstelle oder bei deinen Lehrer*innen. Du kannst auch die Berater*innen von "Coming out und so...", ein DBNA Kooperationspartner, kontaktieren. Hier findest du weitere Infos zur Beratung von "Coming out und so...".

Der YouTube-Channel "Queerblick" hat eine Umfrage über Reaktionen in der Schule gemacht:

Der Tag danach

Hast du dich entschieden, dich in der Schule zu outen, so müssen es nicht gleich am ersten Tag alle Leute wissen. Die wenigstens Menschen sind dazu geboren, auf dem Schulhof zu stehen und lauthals rauszuschreien, dass sie schwul sind.

Beginne mit den Leuten, zu denen du näheren Kontakt hast und mit denen du dich gut verstehst. Am besten du verabredest dich mit der entsprechenden Person nach der Schule und sagst es ihm oder ihr in einer angenehmeren Atmosphäre als im Schulraum.

Häufig ist es besser, das Gespräch in einer guten Atmosphäre zu führen. Coming-outs aus einem Streit heraus sind meistens kontraproduktiv und können zu ungewollten Reaktionen führen.

Nun kannst du dich langsam in die richtige Richtung vorantasten. Du wirst mehr Verständnis ernten, wenn du normal erzählst, dass du auf Jungs stehst, als wenn du gleich genauestens schilderst, wie du letzte Nacht Sex hattest. Und dann...? Ja, dann musst du die Reaktion abwarten. Lasse dir Zeit und frage ruhig auch nach, wenn dich etwas interessiert. Bedenke dabei, dass die Situation für deinen Gegenüber wahrscheinlich auch neu ist und er oder sie sich zuerst an den Gedanken gewöhnen muss.

Du hast Fragen zu deinen Coming-out?

Dann schau in unsere App. Dort findest du den Bereich "Fragen". Stelle deine Frage, die dich bedrückt und du wirst innerhalb kurzer Zeit Antworten von anderen DBNA-Usern bekommen. Hier helfen sich unsere Nutzer gegenseitig! Mehrere 10.000 Jungs sind täglich bei DBNA online. Sei auch du dabei!

Coming-out am Arbeitsplatz

Wer kennt das nicht: Du kommst Montag Morgen nach einem tollen Wochenende wieder ins Büro, ins Werk, ins Labor, auf deine Station, in die Uni oder wo wo du auch immer arbeiten magst und alle Kolleg*innen unterhalten sich angeregt über das Wochenende: Wo sie mit ihren Freundinnen oder der Frau waren und was die Kinder mal wieder angestellt haben.

Du würdest jetzt so gerne mitreden - erzählen, wie du mit deinem Freund oder deinen queeren Freund*innen am Samstag in der Disco getanzt hast. Erzählen, wie gemütlich der Brunch am Sonntag Vormittag war. Du möchtest deine Kolleg*innen auch ein bisschen an deinem Leben teilhaben lassen - so wie sie es gerade untereinander tun.

Es klingt alles so selbstverständlich, was sie erzählen. Aber du traust dich nicht mitzumachen, denn du bist ungeoutet. Dieser Zustand stört dich? Dann tu was dagegen!

Faustregel: Ob Kolleg*in oder Chef*in - mit wem du persönlich nichts zu tun hast beziehungsweise nichts Privates beredest, der braucht auch nicht zu wissen, wie du fühlst.

Ein Coming-out ist im Job noch immer schwierig
Ein Coming-out ist im Job noch immer schwierig

Ein Fünftel aller Schwulen und Lesben glaubt, dass ein Coming-out der Karriere schaden könnte.

Warum soll ich mich denn outen in der Arbeit?

Ist es denn überhaupt sinnvoll, meinen Kolleg*innen zu erzählen, dass ich schwul bin?

  • Diese Frage wirst du dir wahrscheinlich schon bei deinen Eltern oder deinen Freund*innen öfter gestellt haben. Und wie hast du sie dir damals selbst beantwortet? Wahrscheinlich damit, dass dadurch hoffentlich endlich dieser innere Druck nachlässt. Dass du offener mit deiner Sexualität umgehen kannst. Dass die Leute endlich wissen, wie es in dir aussieht.
  • Dass du auch ohne einen CSD und ohne den Schutz einer queeren Disco oder eines queeren Cafes für deine Rechte und Interessen als Homosexueller einstehen kannst. Du als Individuum. Weil du einfach nicht mehr der versteckte Schwule sein willst. Alles Gründe, die wohl jeder hier sehr gut verstehen kann.

Nur bleibt dann immer noch die Ungewissheit, wie es deine Kolleg*innen aufnehmen werden. Haben sie Verständnis dafür? Werden sie weiterhin ganz normal mit dir umgehen? Jeder, der ein Coming-out plant, wird sich schon einmal diese Fragen gestellt haben.

Aber eine Universalantwort darauf gibt es nicht. Ebenso wenig wie es ein Patentrezept dafür gibt, wie du es deinen Kollegen am besten beibringst. Als ersten Schritt kannst du aber versuchen herauszufinden, wie die Leute in deiner Firma oder in deiner Abteilung über Homosexualität denken.

Coming-out am Arbeitsplatz: Wie soll ich mich outen?

Wie bekommt man es am besten hin, seinen Arbeitskolleg*innen zu erzählen, dass man queer ist.

Bau doch zum Beispiel bei einer Montag Morgen Unterhaltung so einen Satz ein: "Ich war am Samstag mit ein paar Freunden unterwegs. Lustig an dem Abend war, dass wir in einer queeren Disco gelandet sind. Total nette Leute, sag ich euch!" Und schon wirst du sehen, was daraufhin zurück kommt. Außerdem ist kein Wort in diesem Satz gelogen. Nur die Tatsachen sind vielleicht etwas verdreht.

Unsplash.com/Priscilla Du Preez

Falls auch ein paar negative Äußerungen kommen, lass dich davon nicht entmutigen. Es gibt immer ein paar Leute, die schneller sprechen als sie denken, es im Grunde aber gar nicht so meinen. Und wenn auf deine Aussage vermehrt positive Äußerungen kommen, wäre das doch eine gute Gelegenheit, ein Coming-out anzuknüpfen. Natürlich nur, wenn du dir das vor einer größeren Gruppe zutraust.

Locker angehen und sich Zeit lassen

Natürlich kannst du die ganze Sache auch locker angehen. Es gibt bestimmt einen direkten Kolleg*in, mit welchem oder welcher du dich sehr gut verstehst. Fang doch bei ihm/ihr an. So kannst du dich langsam in die richtige Richtung vorantasten. Aber lass den Leuten auch etwas Zeit zum Nachdenken.

Fordere nicht gleich eine Reaktion auf dein Coming-out. Denn für deine Kolleg*innen ist es wahrscheinlich etwas völlig Neues und wahrscheinlich müssen sie sich erst einmal an den Gedanken gewöhnen, fortan mit einem Schwulen zusammenzuarbeiten. Und du kannst wohl davon ausgehen, dass sie gerade auch das erste Mal in ihren Leben direkt mit dem Thema konfrontiert wurden.

Es ist nicht immer einfach abzuwägen, was denn nun richtig oder falsch ist. Du musst dir auch im Klaren darüber sein, dass du mit deinen Kolleg*innen vielleicht noch viele Jahre zusammenarbeitest.

Mach dir Gedanken darüber, wie das aussehen könnte: Entweder als Ungeouteter, weil es dir nichts ausmacht bei privaten Gesprächen nur zuzuhören oder du Berufliches und Privates prinzipiell trennst, oder als Geouteter, weil du auch beruflich dein Leben nach deinen Bedürfnissen ausrichten möchtest und diese selbstverständliche Akzeptanz einforderst. Beide Wege haben ihre Vor- und Nachteile.

Bedenk aber immer, dass du nichts verbrochen hast. Du hast das Recht darauf, dass deine Belange in der Gesellschaft Beachtung finden.

Schwule Männer verdienen weniger als Heteros
Schwule Männer verdienen weniger als Heteros

Dass Frauen weniger verdienen als Männer, ist nicht neu. Nun wird deutlich: Auch schwule Männer verdienen weniger als heterosexuelle Geschlechtsgenossen.

Egal, ob dein Coming-out am Arbeitsplatz gut oder schlecht verlaufen wird: Halt immer am Glauben an dich selbst fest. Du wirst es schaffen, wenn du es willst. Und dann wirst auch du das bekommen, wovon wohl jeder Schwule träumt: Ein offenes Leben in der Gesellschaft. Aber jeder von uns sollte dafür auch seinen Beitrag leisten. Zeig der Welt, wer du bist! Zeig der Welt, wie und vor allem was du bist!

Der Tag danach: Wie werden die anderen Kolleg*innen auf dein Coming-out reagieren?

Wenn du ein paar Leute eingeweiht hast, wirst du sicher auch reicher an Erfahrung sein und abschätzen können, wie die anderen Kolleg*innen reagieren. Überleg dir, bei wem du dich noch persönlich outen willst und bei wem es dir relativ egal ist, dass er/sie es über den Flurfunk mitbekommt. Überleg dir auch, ob du es deinem Chef*in persönlich sagst oder ob auch dieser es per Tratsch erfahren soll. Die ganze Firma muss es ja schließlich auch nicht wissen.

Auch YouTuber Tommy Toalingling hat dazu ein Video gemacht. Er stellt sich folgende Fragen:

  • Muss ich mich auf der Arbeit outen?
  • Darf ich meine Sexualität verstecken?
  • Wie finde ich heraus, ob mein Arbeitgeber homophob ist?
  • Ist mein Arbeitgeber LGBTQI+ freundlich?

All diese Fragen klärt er in diesem Video auf:

Nochmals die Faustregel: Ob Kolleg*in oder Chef*in - mit wem du persönlich nichts zu tun hast beziehungsweise nichts Privates beredest, der braucht auch nicht zu wissen, wie du fühlst.

Und wenn du die Coming-outs bei den Kolleg*innen nicht immer nach der Brechstangenmethode "Ach, übrigens, ich bin schwul!" machen möchtest, erzähl doch einfach mal, wie lustig es gestern mit deinem Freund im Kino war. Deine Kolleg*innen werden schon nachfragen, wie du das jetzt gemeint hast.

Nächster Artikel: Bin ich überhaupt schwul? Wie oute ich mich richtig bei meinen Eltern. Was ist ein inneres Coming-out? Diese Fragen versuchen wir dir hier zu beantworten.

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