Coming-out

Ein Coming-out ist im Job noch immer schwierig

Ein Fünftel aller Schwulen und Lesben glaubt, dass ein Coming-out der Karriere schaden könnte.

Während Heteropaare ganz selbstverständlich von ihrer Freizeit mit ihren Partnern erzählen, müssten sich LGBT stets überlegen, wie viel sie anderen sagen sollen, meint Astrid Weinwurm-Wilhelm, die Präsidentin der Vereinigung „Queer Business Women“.

Zwar wird die Gesellschaft toleranter, jedoch blieben Homo-, Bi- und Transsexualität in vielen Firmen ein Tabu. Das geht aus einer Studie der Boston Consulting Group hervor. Die Unternehmensberatung befragte dafür über 4000 LGBT in 19 Ländern, darunter Brasilien, Italien, Frankreich, Kanada, Großbritannien, Mexiko, Spanien, den Niederlanden, den USA – und das Schlusslicht Deutschland.

Nur etwa jeder Dritte outet sich hier gegenüber Vorgesetzten und Kollegen.

Im Arbeitsalltag bedeutet es stetigen Stress, dauernd überlegen zu müssen, was erzählt werden kann und was man lieber für sich behält, sagt Astrid Weinwurm-Wilhelm. Auch sie selbst habe früher nicht offen lesbisch gelebt, sondern sich erst bei ihrem zweiten Job geoutet.

Wie die Studie zeigt, sind 85 Prozent der Befragten aus Deutschland zu einem Coming-out bereit. Über ein Drittel ist überzeugt, dass dies sein oder ihr Leben vereinfachen würde.

Doch über 20 % zeigen sich besorgt, dass ein Coming-out ein Karriererisiko darstellen könnte.

Dennoch glauben Viele, dass es wichtig ist, auch Persönliches preiszugeben. Small Talk diene schließlich als sozialer Klebstoff, der zum Kennenlernen benötigt wird. Wer dabei nicht mitmacht, riskiert, ausgeschlossen und in wichtigen Situationen übergangen zu werden.

Zudem kostet die Heimlichtuerei wertvolle Energie, die von der Arbeit abgezogen wird. Deshalb seien Firmen schon im Sinne der Produktivität gut beraten, ein offenes und tolerantes Klima zu erschaffen, sagt Astrid Weinwurm-Wilhelm.

„Bei der Auswahl eines Arbeitsplatzes in Deutschland steht der Wunsch nach einem LGBT-freundlichen Arbeitsumfeld, zu dem auch eine klare Antidiskriminierungsrichtline zählt, bei LGBT-Menschen auf Platz 1 der Auswahlkriterien“
Studien-Autorin Annika Zawadzki

Die Studie zeigt, dass sich das durchaus lohnt. Viele der Befragten sagen, sie suchen bewusst einen LGBT-freundlichen Arbeitsplatz. Dazu gehört neben einer Antidiskriminierungsrichtlinie auch, dass die betroffenen Angestellten nicht in Länder geschickt werden, in denen Homosexualität strafbar ist. Zudem sei ein LGBT-Netzwerk wichtig und auch die Organisation alltäglicher Dinge.

"Wenn ich als Mitarbeiterin eines bekomme, muss ich einen Vertrag unterschreiben, in dem bisher oft stand, dass nur ich und mein 'Ehepartner' oder meine 'Ehepartnerin' damit fahren dürfen. Was aber, wenn ich in einer Lebensgemeinschaft bin?"
Astrid Weinwurm-Wilhelm

Es braucht Arbeitgeber, die sich offen gegenüber sämtlichen Arten des Zusammenlebens verhalten.

Schwule und Lesben: weniger Diskriminierung am Arbeitsplatz
Schwule und Lesben: weniger Diskriminierung am Arbeitsplatz

Eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes belegt die nachlassende Diskriminierung von Schwulen und Lesben, die am Arbeitsplatz offen mit ihrer sexuellen Identität umgehen.

Coming-out am Arbeitsplatz: Vor- und Nachteile
Coming-out am Arbeitsplatz: Vor- und Nachteile

Es ist nicht immer einfach abzuwägen, was denn beim Coming-out am Arbeitsplatz nun richtig oder falsch ist.

Social Network für queere Jungs
Bist du schon Mitglied bei uns? DBNA ist das Social Network für queere Jungs. Werde Teil unserer Community und vernetze dich mit anderen Jungs aus deiner Nähe! Hier kannst du dich kostenlos registrieren»

DBNA unterstützen

Du findest DBNA und unsere Arbeit toll?
Unterstütze uns und gib uns einen (oder zwei) Kaffee über Paypal aus!