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„Die Leute denken, ich kann nicht schwul sein, weil ich ein Mensch mit Behinderung bin.“

Lukas Von Lukas
„Die Leute denken, ich kann nicht schwul sein, weil ich ein Mensch mit Behinderung bin.“

lifeofapalsy/instagram.com

Stephen, der an Zerebralparese leidet, setzt sich für die Rechte von behinderten und schwulen Menschen ein und nutzt Tik Tok, um das Bewusstsein für diese Themen zu erhöhen.

In einem Video auf Tik Tok (@lifeofapalsy) schaut Stephen Thomas Smith in die Kamera und schreit: "Ich bin schwuuuuuuuuul!"

Es ist seine Reaktion auf Leute, die annehmen, dass er hetero sein muss oder keine sexuellen Gefühle hat, nur weil er ein Mensch mit Behinderung ist.

In einem Interview mit der BBC gibt er zu, dass er sich manchmal nicht als Teil der LGBT-Gemeinschaft fühlt, weil er oft auf Behindertenfeindlichkeit stößt.

"Wenn ich zur Pride gehe, wird mir der Zugang zu Nachtclubs verwehrt, weil ich 'zu betrunken' bin - obwohl ich eigentlich nüchtern bin - und mir wird gesagt, ich sei auf Drogen", sagt Stephen.

"Das ist meine Community, und die sollte eigentlich tolerant sein, aber dann gehe ich in diesen ‚Safe Space‘ und mir wird der Zutritt verweigert.“

"Warum sollte ich mich also mit einer Gemeinschaft identifizieren, die so diskriminierend ist? Ich bin nicht besonders stolz darauf, als Mensch mit Behinderung Teil dieser Gemeinschaft zu sein."

Als Stephen seiner Familie erzählte, dass er schwul ist, war das für ihn keine große Sache. Er hat zwei ältere Schwestern, die lesbisch sind. Aber für die Leute an seiner Schule war es eher eine Überraschung, weil er nur als die "Person im Rollstuhl" gesehen wurde.

"Ich glaube nicht, dass die Leute normalerweise denken: 'Oh, diese behinderte Person ist schwul oder heterosexuell oder sie will Sex haben'.

DBNA-Gruppe: Gays_mit_Handicap

"Diese Gruppe richtet sich in erster Linie an Jungs, die ein Handicap, egal in welcher Form auch immer, haben. Sie soll das Selbstwertgefühl steigern. Es ist so schon oft schwer genug im Leben.... Es ist egal, ob Rollstuhl oder nicht, ob dick oder dünn, Love is Love..."

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Stephen, der aus Manchester stammt, aber in London lebt, sagt, erlebt auch bei Dates Behindertenfeindlichkeit.

"Ich hatte einmal ein Date und traf mich mit ihm auf einen Kaffee. Er setzte sich zu mir und sagte: 'Das ist wie in der Serie ‚The Undateables'", erzählt er. „The Undateables“ ist eine britische TV-Show über behinderte Menschen auf Partnersuche.

"Ich dachte mir: 'Cool, das erste, was du siehst, ist meine Behinderung, nicht mein Outfit'. Also bin ich einfach rausgegangen, weil ich keine Zeit für Behindertenfeindlichkeit habe."

lifeofapalsy/instagram.com

Stephen glaubt, dass die Leute Menschen mit einer Behinderung oft als asexuell ansehen, weil Behinderung in den Medien so dargestellt wird. Stephen ist der Meinung, dass eine bessere Darstellung von Menschen mit Behinderung in den Medien helfen würde, die behindertenfeindliche Haltung und Diskriminierung in der Gesellschaft zu bekämpfen.

Er würde gerne mehr behinderte Menschen in den Mainstream-Medien und mehr Sichtbarkeit sehen. "Ich würde gerne ein paar tolle behinderte Menschen sehen, die erstaunliche Dinge tun."

Stephen ist seit weniger als einem Jahr bei Tik Tok (@lifeofapalsy) und hat bereits 48.000 Follower und 1,2 Millionen Likes.

In seinen Videos nutzt er Sarkasmus und Humor, um das Thema bewusst zu machen und einige der Missverständnisse anzusprechen, die er als behinderter Homosexueller erlebt.

"Ich bekomme immer noch eine Menge Hasskommentare, aber ich antworte darauf auf eine lustige Art und Weise. Jemand nannte mich Spaghetti-Hände, also habe ich ein lustiges Video darüber gemacht, dass ich Spaghetti-Hände habe.“

Stephen sagt, obwohl er einige hasserfüllte Kommentare bekommt, hat er auch viele positive.

"Ich denke, die Videos brechen ein Stigma, weil sie den Leuten einen Einblick in Behinderung und queere Behinderung und den queeren Körper geben. Die Leute, die so hasserfüllt sind, brauchen einfach mehr Bildung.“

Hier geht's zu Stephens Tik Tok Profil.

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Weitere Quellen: BBC, Instagram, Tik Tok