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“Was sind Ihre größten Schwächen“ und ähnlicher Horror beim Jobinterview – so gehst du damit um!

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“Was sind Ihre größten Schwächen“ und ähnlicher Horror beim Jobinterview – so gehst du damit um!

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Es ist eine berühmt berüchtigte Frage in einem Vorstellungsgespräch: “Was ist Ihre größte Schwäche?“

Vermutlich gibt es kein größeres Klischee und doch wird sie regelmäßig verwendet. Hört man sie, fühlt man sich gleich in diesen Moment versetzt, in dem wir mit schweißnassen Händen in einem großen Raum sitzen um zu beweisen, dass man die richtige Wahl für diesen Job ist.

Doch wie geht man mit Fragen wie dieser um? Wie sollte man sich generell verhalten um im Gespräch zu überzeugen und überhaupt: Was bezweckt man mit solchen Fragen?

Ich selbst habe in meinem Leben nur ein einziges Vorstellungsgespräch absolviert. Ich war 15 und so grün hinter den Ohren, dass es ein Wunder ist, dass ich den Job wirklich bekommen habe – hab ich auch zuerst nicht – Fun fact: zuerst erteilte man mir eine Absage und ich rückte erst nach, nachdem die erste Wahl sich für einen anderen Brötchengeber entschied. Bei mir lief das ganz anders, aber das Lampenfieber war genau so hoch – meinen damaligen Chefs ging es eher darum zu sehen, wer ich war und was zum Henker ich eigentlich dort wollte und nicht einmal das hätte ich glaubhaft beantworten können.

Ich war heillos überfordert und fühlte mich so fehl am Platz, dass ich ständig auf meinem Stuhl hin und her rutschte, weil ich nicht stillhalten konnte. Aber ich erinnere mich an eines: an den Impuls, mit dem ich die mir gestellten Fragen beantworten wollte. Ich hatte mir vorgenommen, überzeugend, möglichst souverän und gleichzeitig untertänig zu sein und spielte von vorne bis hinten eine definitiv nicht überzeugende Show ab.

Meine Performance war so schlecht, dass ich stotterte, mich verhaspelte und auf eine halbprivate Frage eines Vorstandes nach den richtigen Systemvoraussetzungen für ein Computerspiel seines Sohnes mit einer pseudointellektuellen Antwort ankam, die drei Minuten dauerte und jeden halbwegs interessierten Gamer einen leichten Rothauch vor Wut auf die Wange gezaubert hätte.

Ich hatte überhaupt keine Ahnung davon, wollte aber unbedingt das Gefühl vermitteln, dass ich selbst davon einen Plan hatte. Und das, obwohl ich mich als Bankkaufmann beworben hatte. Allein diese Situation damals hat mich viele Dinge gelehrt und sie sind es wert sie zu teilen – weil diese Art von Selbstdarstellung nichts mit dem Alter und der Position zu tun hat, sondern viel mehr damit wie gut man es schafft, sich in dieser Situation wohl in seiner Haut zu fühlen.

Fehler Nummer 1, den ich damals beging war, dass ich aktiv versucht habe von mir zu überzeugen. Meine ganze Kommunikation verschob sich auf ein unauthentisches Etwas, von dem ich dachte, dass man von mir hören wollte. Ich redete geschwollen, hätte niemals zugegeben, etwas nicht zu wissen und rückte so weit von meiner Persönlichkeit ab, dass ich mich selbst nicht erkannt – geschweige denn eingestellt hätte. Egal wie verlockend der Job scheint: bleib bei dir. Rede, wie dir der Mund gewachsen ist.

Wenn wir uns derart verstellen, sind wir weder in der Lage wirklich zu überzeugen, noch sind wir offen für die Impulse, die uns unser Gegenüber gibt. Im Klartext: je mehr Schauspielanteil in unserem Auftritt steckt, desto weniger nehmen wir wahr und können richtig auf spontane Einwürfe oder Fragen reagieren. Gleiches gilt übrigens für einstudierte Phrasen – je fester unser Fahrplan ist, desto unflexibler agieren wir – und Flexibilität ist auf jeden Fall eines der höchsten Tugenden, wenn man wirklich von sich überzeugen möchte.

“Kein Personaler erwartet von dir, dass du alles weißt – es reicht also, wenn du zeigst, dass du bereit bist, das zu lernen oder dich zu informieren.”

Als nächstes bewegte ich mich thematisch in ein Terrain, von dem ich keine Ahnung hatte – mein Glück damals war, dass mein Gegenüber noch viel unwissender war und ich mich dadurch rettete, irgendwelche Fachausdrücke in meine Sprache einzuweben, die ich irgendwann einmal aufgeschnappt hatte – aber meistens ist das keine gute Idee. Gib zu, wenn du etwas nicht weißt, verbinde diese Information aber gleich mit einer Lösung – denn alles kann man in Erfahrung bringen.

Kein Personaler erwartet von dir, dass du alles weißt – es reicht also, wenn du zeigst, dass du bereit bist, das zu lernen oder dich zu informieren.

Märchen aufzutischen ist das Gegenteil von cool und wenn sie nicht gestorben sind, so bewerben sie sich noch heute. Vorbereiten kannst du im Vorfeld ohnehin nur allgemeine Infos über das Unternehmen und seine Vorstände und dass du der Experte in der Thematik bist, ist ohnehin klar – schließlich bist du der Beste für diesen Job.

Aber nun zu den Fragen, die Personaler gerne stellen, denn das ist wirklich interessant. Wenn dich jemand nach deinen Schwächen fragt, so geht es ihm nämlich gar nicht darum WAS du antwortest – es geht mehr um das WIE. Er erfährt dadurch lediglich, ob du einen guten Bewerbungsratgeber gelesen hast, in dem unzählige Antworten auf diese Frage zu finden sind oder ob du schlagfertig bist, wie du mit heiklen Situationen im Gespräch umgehst und wie souverän du reagierst, wenn man dich konkret etwas Unangenehmes fragt.

Viele versuchen die humorvolle Schiene mit „Meine größte Schwäche ist Schokolade!“ und das ist natürlich eine Antwort, die der Chef schon x-mal gehört hat und die ihm nur dann ein Lächeln abringt, wenn du ihm gleich danach deinen Lieblingswitz erzählst. Schwierig sind auch Versuche, Schwächen in Stärken zu verpacken „Ich arbeite zu hart!“ oder „Meine Schwäche ist, dass ich zu ehrgeizig bin!“ – auch das ist schon tausendmal gehört worden und wirkt im schlimmsten Fall sogar arrogant und im besten Fall albern.

Probier’s mal mit Ehrlichkeit – immer nur raus mit der Wahrheit und auch hier ist die beste Möglichkeit, mit seiner Schwäche gleich eine Lösung anzubieten: „Ich fühle mich bei Präsentationen vor Menschen unwohl – bin aber gerade dabei, das zu ändern.“ oder „Ich arbeite bei Teamprojekten manchmal gerne allein – komm aber nach einer gewissen Zeit zurück zur Gruppe um meine Arbeit zu präsentieren und mit den Kollegen abzustimmen.“ Es gibt keine Schwäche, die man nicht zugeben dürfte – so lange sie im professionellen Rahmen bleibt.

Je echter du kommunizierst und je weniger du dich versteckst, desto leichter machst du es deinem Gesprächspartner dich einzuschätzen.

Es gibt viele solcher Fragen, die unterschiedlich gestellt auf das gleiche Ergebnis abzielen. Manchmal will unser Gegenüber einfach nur sehen was passiert, wenn uns die Maske verrutscht um uns aus der Reserve zu locken. Das kannst du ganz einfach selbst in die Hand nehmen. Bleib bei dir, mach dich nicht verrückt – frag nach, wenn du etwas nicht verstanden hast, gib Unwissen zu und veredle das ganze Gespräch mit deinen Stärken. Je echter du kommunizierst und je weniger du dich versteckst, desto leichter machst du es deinem Gesprächspartner dich einzuschätzen und das ist für die Wahl eines neuen Mitarbeiters extrem wichtig, schließlich sollst du in vielen Fällen Teil eines Teams sein und da muss die Chemie stimmen.

Übrigens hab ich meinen Job bei der Bank nach ein paar Jahren an den Nagel gehängt um mich selbstständig zu machen – jetzt fotografiere und coache ich Menschen und halte Vorträge über Selbstbewusstsein und Präsenz und ja: das war das einzige Vorstellungsgespräch meines Lebens – für einen Selbstständigen aber ist jeder Neukontakt mit einem Kunden eine solche Situation in der er bei sich bleiben muss, ehrlich und dabei überzeugend.

Ich habe in diesen Jahren viel über Kommunikation gelernt und eines ganz besonders – diesen Tipp schenke ich dir am Schluss des Artikels: solange Amazon oder Elon Musk nicht Gas geben, wird dein Gegenüber in deinem Vorstellungsgespräch immer noch ein menschliches Wesen sein und als solches erwartet es von dir keine Perfektion, sondern möchte einfach herausfinden wer du bist – nimm dir selbst den Druck und stell dein Denken um: du sprichst nicht mit einer Firma, du sprichst mit einem Menschen, den du nur durch dich am Besten erreichen wirst.


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Dieser Text erschien zuerst bei Stick&Stones. Autor: Florian Beier.

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