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Im Kino: Mario - über Homophobie im Profifußball und die ganz große Liebe

Julian Von Julian
Im Kino: Mario - über Homophobie im Profifußball und die ganz große Liebe

ProFun

„Mario“ gibt uns Einblicke in die Welt von zwei talentierten Nachwuchsspielern, ihren Träumen und Zielen. Aber bleibt da noch Platz für die Liebe? Platz für Liebe untereinander?

Der neue Spielfilm aus der Schweiz erzählt auf beeindruckende Weise die Geschichte des jungen Fußballtalents Mario. Seit Donnerstag ist der Film im Kino. Wir haben den Film bereits für euch angesehen und möchten unsere Eindrücke mit euch teilen.

Zunächst ist Mario (Max Hubacher) einfach nur ein Spieler, wie jeder andere seiner Mannschaft auch. Er feiert Erfolge, spielt im Sturm und sein Torverhältnis ist gut. Er verfolgt ein großes Ziel: den Aufstieg in die Erste Mannschaft. Dabei könnte ihm aber einer gefährlich werden, der Neuzugang aus Deutschland, Leon (Aaron Altaras). Mit dem gut aussehenden Stürmer teilt er sich die Doppelspitze auf dem Feld. Beide haben die gleichen Ambitionen und so geschieht es dass der Verein ihnen eine gemeinsame Spielerwohnung anbietet.

Sie leben gemeinsam, Zimmer an Zimmer und lernen sich so immer besser kennen. Die beiden entwickeln starke Gefühle füreinander, so beginnt ein aufregendes Hin-und-Her was den Zuschauer mit hoffen lässt, dass die beiden zueinander finden.

Doch kann das überhaupt funktionieren? Zwei Spieler aus dem selben Verein die eine Liebesbeziehung führen? Nachdem sie ihre eigenen Zweifel überwunden hatten, werden sie ein glückliches Paar. Natürlich nicht offiziell, denn beiden ist klar dass es das Ende ihrer Profikarriere bedeuten könnte, sollte davon etwas an die Öffentlichkeit gelangen.

Ihre Welt bricht zusammen als die zum Gespräch mit dem Vereinsvorstand geladen werden: Ein Mitspieler hat sie beim Küssen beobachtet. Bereits zu Beginn der Erzählung zeigt sich eine homophobe Grundstimmung auf dem Platz. Das Wort „Schwul“ fällt immer wieder als Beleidigung oder Schimpfwort, beispielsweise „was für ein schwuler Schuss“. Doch das die Homophobie im Fußball viel tiefer liegt zeigt sich in diesem Gespräch.

„Niemand hier im Raum hat ein Problem mit dem Thema. Was uns allerdings Sorgen macht sind die Sponsoren. Wir können uns so etwas nicht leisten!“

...sagt der Vorstand.

Die Sache solle auf keinen Fall nach außen dringen und auch Intern keine Unruhe in die Mannschaft bringen. Der aufgelöste Mario streitet alles ab und soll sich nicht mehr gemeinsam in der Öffentlichkeit mit Leon zeigen. Sein Manager geht sogar noch weiter und rät ihm sich eine Alibi-Freundin zu suchen, um alle Gerüchte zu zerstreuen.

„Es gibt Sachen die sind einfach tabu: Drogen, Sex mit Minderjährigen und dieses schwulen Zeug… also als Profispieler.“

Auch der Manager von Leon sieht das ähnlich: wenn etwas rauskommt ist der Marktwert der beidem im Keller, daher ist alles abstreiten die Strategie. Jedoch akzeptieren die Manager die Gefühle der beiden auch und versuchen gemeinsam mit ihnen Lösungen zu finden die eine Beziehung im Geheimen weiterhin erlauben.

Beim Coming-out vor Marios Eltern fällt der Satz:

„Ich bin nicht der einzige schwule Fußballer auf dieser Welt!“

Damit hat er selbstverständlich recht, schauen wir aber mal in die deutsche Bundesliga, es gibt keinen einzigen geouteten Spieler der sich öffentlich bekannt hat. Eine Ausnahme bildet Thomas Hitzelsberger, der jedoch nicht mehr aktiv spielt.

Ein ganz klares Zeichen wie groß das Problem der Homophobie im Profisport ist. Der neue Kinofilm „Mario“ zeigt auf rührende und vor allem auch realitätsnahe Art wie schwer es für einen jungen Spieler sein muss in der Auslegung seiner Gefühle so stark eingeschränkt zu sein. Diese Probleme müssen angegangen werden, im Jahr 2018 muss es jedem möglich sein, seine Sexualität ausleben zu können ohne negative Folgen auf die Karriere oder Stellung innerhalb der Gesellschaft befürchten zu müssen! Das wird dem Zuschauer anhand der vielen gefühlvollen Szenen im Film klar.

Mittlerweile zeigen sich auch viele deutsche Politiker*innen und hochrangige Funktionäre in den Clubs und Verbänden aufgeschlossen und haben bereits 2013 die Berliner Erklärung unterschrieben, gegen Homophobie im Sport.

Auf DVD und Blu-ray erscheint Mario am 14. Dezember. Bei Amazon könnt ihr den Film bereits vorbestellen:

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Conny Littmann, ehemaliger Vereinspräsident des FC St. Pauli, selbst schwul hat 2012 ein Interview gegeben. Auf die Frage, warum sich im Profifußball bisher noch kein Spieler geoutet hat antwortete er:

„Es wäre dumm, das zu tun. Jeder, der es tun würde, wäre dumm.“

Doch wie geht es für Mario und Leon weiter? Haben sie überhaupt eine gemeinsame Zukunft, werden sie sich für die Karriere oder doch für ein gemeinsames Leben entscheiden? Wir wollen euch nur so viel verraten, der Film zeigt beide Wege auf. Die beiden trennen sich. Mario steigt auf, lebt mit in einer Fake-Beziehung mit einer Frau und tausende Menschen auf der Tribüne jubeln ihm zu wenn er mal wieder ein Tor geschossen hat.

Leon hingegen konnte dem Druck der Lügen nicht standhalten, outete sich und wurde vom Verein suspendiert. Lebt nun aber gemeinsam mit seinem neuen Freund in einer Wohnung und scheint glücklich zu sein. 2 Spieler - 2 unterschiedliche Wege mit den Umständen umzugehen. Doch welches war der richtige Weg?

Insgesamt überzeugt der Film auf allen Ebenen. Er spiegelt die Realität wider, gibt Einblicke, in das Leben von schwulen Spielern, die man so nicht hätte, schafft Bewusstsein für die Probleme im Fußball und rührt mit einer dramatischen Liebesgeschichte zu Tränen. Ganz großes Kino!

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