Rote Karte für Diskriminierung

Schwul und Fußballfan? Das geht. Knapp 20 schwule Fanclubs sind in den letzten Jahren deutschlandweit entstanden. Ihnen geht es um mehr, als nur gemeinsam Fußball zu zelebrieren. Sie sind eine mahnende Stimme im Kampf gegen Homophobie im Fußball.
Ein kleiner oder größerer Teil dieser Männer (es gibt keine genauen Zahlen oder ungefähre Schätzungen) sind schwul und lieben Fußball genau wie der Rest der Männer im Stadion. Sie tragen Schals und Shirts in den Farben ihrer Mannschaft, schwenken Fahnen und können jeden Fan-Gesang mitbrüllen. Nur eines stört die schwulen Fußball-Fans: wenn das Wort "schwul" als Schimpfwort im Stadion benutzt wird.
DFB muss stärker gegen Homophobie vorgehen
"Schwule Sau" ist ein viel benutztes Schimpfwort, was sich besonders oft die Schiedsrichter anhören müssen. Durch die Verwendung des Wortes "schwul" als Beleidung wird Homosexualität als minderwertig dargestellt dagegen wehren sich schwule Fans, Vereine und Organisationen. Ihrer Meinung nach müssen Fußball-Vereine und der Deutsche Fußballbund (DFB) entschiedener gegen Diskriminierung in jeglicher Form vorgehen.

Gemeinsam gegen Diskriminierung mit eigenem Dachverband
Seit 2006 gibt es eine gemeinsame Dachorganisation: Queer Football Fanclubs (QFF). Unter dem gemeinsamen Dach fordern die schwulen Fanvereine, dass sich DFB und FIFA mehr gegen Diskriminierung einsetzen. Ihre fünf Schlagworte lauten Toleranz, Integration, Vernetzung, Unterstützung und Sichtbarkeit. Damit stellen sie klar, dass es ihnen nicht nur um die Verurteilung geht, wenn "schwul" als Schimpfwort benutzt wird. Sie soll auch nach außen sichtbar gemacht werden.
Das ging den schwulen Fanvereinen zu weit. Sie kritisieren, dass der Mannschaftmanager die Tatort-Folge als "Angriff auf meine Familie die Familie der Nationalmannschaft" bezeichnete. Auch international mischen die schwulen Fanvereine mit: Nachdem die Fußball-WM 2022 an Katar vergeben wurde, äußerten sich viele Vereine enttäuscht und verletzt über die Entscheidung. Der Grund: Im arabischen Emirat Katar ist eine Strafe von bis zu fünf Jahren auf homosexuelle Handlungen ausgesetzt.
Knapp 20 schwul-lesbische Fanclubs gibt es schon
Diese und andere Episoden abseits des Fußballfeldes zeigen, dass in den Stadien den letzten "Hochburgen der Männlichkeit" noch viel getan werden muss, um Vorurteile und Diskriminierung zu beseitigen. Seit der Jahrtausendwende haben sich im Umfeld fast aller Bundesliga-Vereine schwule Fanclubs gebildet. Berlin, Hamburg und Dortmund waren die ersten Städte. Heute gibt es in Deutschland fast 20 Fanvereine für Homosexuelle zum Beispiel "Blaue Bengel" oder "Bunte Fohlen". Nach dem deutschen Vorbild haben sich auch in Staaten wie der Schweiz oder Spanien schwule Fußballfans in Vereinen organisiert.

Es geht um Sport und nicht um Sexualität
Aber Diskriminierung gehört weder ins Stadion, noch in die Kneipe, in der Mann Fußball schaut, noch sonst irgendwohin. Homosexualität sollte im Fußball überhaupt keine Rolle spielen. Beim Fußball geht es wie in allen anderen Sportarten um Leistung, Können und Leidenschaft und zwar die Leidenschaft zum Sport. Ein guter Spieler, ein guter Verein, ein guter Fan sollten gefeiert und honoriert werden. Egal ob hetero, schwul, bi-, trans-, pan- oder asexuell.
Bringt ein Spieler oder eine Mannschaft schlechte Leistung auf dem Feld, ist die Enttäuschung und Verbitterung der Fans gerechtfertigt, weil der Sportler seine Aufgabe nicht erfüllt hat. Ist ein Spieler oder eine Mannschaft schwul, besteht für die Verbitterung und eventuell auftretende Ausgrenzung oder Beleidigung keine Rechtfertigung: Für Veranlagungen gibt es keine Wahl und keine persönliche Entscheidung jeder ist so, wie er ist.
Vielleicht muss es nicht gleich eine schwule Mannschaft in der ersten Bundesliga oder gar eine schwule Liga geben, doch mehr Miteinander und weniger Gegeneinander sollte bei allen Spieler, Trainer, Verein, Liga und Fans gefordert werden.