Coming-out

Luis (14) erzählt von seinem Coming-out

Julian Von Julian
Luis (14) erzählt von seinem Coming-out

dbna.de/Luis

Mein erstes Coming-out hatte ich bei meiner besten Freundin, dass ich schwul bin wusste ich zu diesem Zeitpunkt schon seit 4 Jahren.

Die Tatsache dass ich schwul bin war mir schnell klar, in bestimmten Situationen, wie damals im Schullandheim erkannte ich schnell dass ich mich mehr zu Jungs hingezogen fühle. Als mir dies dann selbst bewusst war, habe ich mich immer mehr darauf fixiert und auch begonnen mich mit dem Gedanken, dass meine große Liebe ein Mann sein könnte anzufreunden.

FernoHD
FernoHD 14

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Doch das war nicht immer so, zuerst dachte ich, ich wäre eine Art „Fehlbildung“ was aber eher an meiner Unwissenheit und fehlender Bezugspunkte zum Thema lag. Mit der Zeit begann ich mich zu informieren und konnte mich selbst dann so akzeptieren wie ich bin, doch damit wuchs auch der Druck und der Gedanke mich endlich outen zu wollen in mir. Ich hatte keine Lust mehr auf das Versteckspiel und mich als „hetero Typ“ ausgeben zu müssen. 

Bewusst ist es mir bereits seit 4 Jahren, momentan besuche ich die 7. Klasse. Da ich mir am Anfang sehr unsicher war habe ich mir erstmal einen Überblick über mein Umfeld verschafft. Grundsätzlich ist die Einstellung der meisten gegenüber dem Thema positiv oder zumindest nicht ablehnend, jedoch war ich mir nicht bei jedem sicher ob es gut aufgenommen werden würde. Aus diesem Grund war die Angst sehr groß. 

Auch in der Schule begann ich erste Signale zu senden und verhielt mich teilweise absichtlich klischeehaft, so können die meisten schon eine Vorahnung bekommen, ähnlich wie bei meinem Hinweis über Netflix wollte ich mich so herantasten. Auch hier war es mein Ziel es ihnen unterbewusst zu sagen um die Reaktionen schon im Vorfeld erahnen zu können.

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Doch zurück zu meiner Freundin „Nina“ - erst 4 Wochen später war ich dann wieder bei ihr, wir haben gechillt und uns neue Trailer angesehen, wieder habe ich versucht etwas in die Richtung anzuspielen habe es mich dann aber doch nicht getraut laut auszusprechen, was ich ihr schon so lange sagen wollte. War ja schließlich auch mein erstes Coming-out. Als wir dann rausgingen kam ihr Bruder dazu und ich hatte erstmal keine Möglichkeit mehr es ihr zu sagen. Erst als wir wieder zurück waren, war der richtige Zeitpunkt gekommen. Das wusste ich. Ich habe mich erstmal auf Sofa gesetzt und mich darauf vorbereitet was gleich passieren würde, ich spürte wie mein Herz leicht zu schmerzen begann und mir wurde es plötzlich sehr warm vor Aufregung

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10 Minuten stille - dann habe ich ihr mit meinem Handy eine Nachricht geschrieben, obwohl sie im gleichen Raum war: 

"Ich muss dir etwas sagen. Ich vertraue dir!"

Sie fragte mich was los ist und ich schrieb: „Dreh dich um“. Ich stand dann hinter ihr und redete eine gefühlte Ewigkeit um das Thema herum bis endlich die Worte vielen:

„Ich bin Schwul“ , sie saß noch auf dem Stuhl und hat erstmal gelacht und meinte dann, dass es kein Problem sei und es für sie ganz normal wäre. Eigentlich fände sie es sogar cool. Leider musste ich dann sehr schnell auf meinen Bus und wir könnten nicht mehr so viel reden, dafür haben wir aber dann die gesamte Heimfahrt geschrieben. 

Das Gefühl endlich aus dem Schrank befreit zu werden ist einfach unbeschreiblich und heute denke ich, ich hätte es schon früher angehen sollen. Nun warten aber ja noch einige weitere Coming-out´s auf mich…